BUND und Universität Göttingen sind Luchsen im Südharz auf der Spur

(18.03.2019) Der Luchs im Bild: In den vergangenen zwei Wochen haben erstmals selbstauslösende Kameras zwei Luchse in Thüringen für ein wissenschaftliches Projekt fotografiert.

Entstanden sind die Bilder im Rahmen einer Kooperation des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Universität Göttingen, die zum Ziel hat, den Luchsbestand im Thüringer Südharz erstmals systematisch zu erfassen.

"Luchse sind in Deutschland noch immer eine Seltenheit. Im Thüringer Südharz wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Luchse gesichtet, doch bisher ist unklar, wie viele der scheuen Pinselohren dort leben und wie weit ihr Verbreitungsgebiet reicht", sagt Silvia Bender, Abteilungsleiterin Biodiversität beim BUND.


Luchs im Südharz

"Noch immer wissen wir viel zu wenig über die in Deutschland nach wie vor stark gefährdeten Luchse. Mit den neuen Nachweisen im Thüringer Südharz konnten wir nun ein fehlendes Puzzleteil in der Verbreitungskarte der Luchse ergänzen."

In ganz Deutschland sind bislang nur 77 erwachsene Luchse erfasst, die durch die Wälder im Harz, im Bayerischen Wald, neuerdings auch den Pfälzerwald und vereinzelt durch Baden-Württemberg, Nordhessen und andere Regionen streifen.

Thüringen hat aufgrund seiner geographischen Lage und weitläufigen Wälder eine ganz besondere Bedeutung für den Luchs: Bisher leben die Tiere vor allem im Harz und im Bayerischem Wald, Thüringen liegt genau wie Hessen zwischen diesen beiden Gebieten und kann dem Luchs als Brücke dienen.

"Die Luchse im Thüringer Südharz sind für die weitere Besiedelung Nordthüringens, des Hainichs und des Thüringer Waldes essentiell", sagt Markus Port von der Universität Göttingen. "Nur dank der Unterstützung vieler privater Waldeigentümer, Jägerinnen und Jägern sowie der Thüringer Behörden konnten die jüngsten Nachweise so rasch gelingen."

Der BUND betreut zusammen mit der Universität Göttingen und der Wildtierland Hainich gGmbH aktuell zwei Luchsprojekte in Thüringen: das im Südharz, wo jetzt die Fotos gelangen, und ein Projekt im Großraum Hainich sowie dem Wildkatzendorf Hütscheroda. Im Hainich gelang jedoch seit dem Untersuchungsbeginn vor etwa einem Jahr noch kein Foto-Nachweis eines Luchses.

Die Nationalparkverwaltung hatte Anfang 2018 hier einen Luchs fotografiert, aber es gilt als unwahrscheinlich, dass sich das Tier weiter im Hainich aufhält. "Leider ist die Situation des Luchses in Thüringen immer noch sehr schwierig. Lediglich die Tiere im Südharz gehören wahrscheinlich zu einer stabilen Population, die wenigen anderen nachgewiesenen Luchse sind lediglich Einzeltiere", so Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

www.luchs.uni-goettingen.de




Weitere Meldungen

Luchsforschung am Leibniz-IZW erhält Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt; Bildquelle: M. Brandt

Leibniz-IZW-Luchsforschung erhält Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Das „Deutsche Artenschutzforschungsprojekt - Pardelluchs“ vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) wurde gestern als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet
Weiterlesen

Luchsvorkommen in Österreich

Luchs ist in Österreich vom Aussterben bedroht

Maximal 39 heimische Luchse machen wenig Hoffnung auf Arterhalt – Zerschnittener Lebensraum isoliert und Wilderei dezimiert kleine Populationen – Bessere Raumplanung, Bekämpfung von Wildtierkriminalität und Aussiedlungsprojekte können Bestand retten
Weiterlesen

Eine Luchsin durchquert mit Ihren Jungtieren einen Fotofallenstandort. Einige wenige gut etablierte Tiere bekommen in jedem Jahr Nachwuchs. Sie bilden das Rückgrat der Luchspopulation.; Bildquelle: Luchsprojekt Harz

Die Rückkehr der Luchse

In enger Zusammenarbeit haben Forscher*innen des Nationalparks Harz und des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt die genetische Struktur der Harzluchse seit ihrer Auswilderung unter die Lupe genommen
Weiterlesen

Iberischer Luchs; Bildquelle: Iberian lynx ex situ conservation programme

Artenschutzforschung Luchs: Antioxidative Enzyme sind wichtig für die Langlebigkeit der Gelbkörper bei Luchsen

Ein weiteres Puzzleteil im Rätsel um die Langlebigkeit der Gelbkörper bei Luchsen ist aufgedeckt. Wie Wissenschaftler*innen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (Leibniz-FMP) herausfanden
Weiterlesen

Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft

Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft

Konflikte, Chancen, Lösungen im Umgang mit großen Beutegreifern - von Marco Heurich
Weiterlesen

Luchswelpen; Bildquelle: Iberian Lynx Ex-situ Conservation Programme

Gelbkörperzellen von Katzen erfolgreich kultiviert und umfassend charakterisiert

Ein weiterer Meilenstein bei der Aufklärung des Phänomens von langlebigen Gelbkörpern bei Luchsen
Weiterlesen

Zaunbau in unwegsamen Gelände ; Bildquelle: HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Herdenschutzseminar an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Eine erfolgreiche Kooperation des Österreichzentrums Bär, Wolf, Luchs und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein
Weiterlesen

Kaukasischer Luchs, aufgenommen mit einer Kamerafalle; Bildquelle: Deniz Mengüllüoğlu, Nurten Salikara

Luchse in der Türkei: Nicht-invasive Probensammlung liefert wichtige Erkenntnisse zu genetischer Vielfalt und Verhalten

Über den Kaukasischen Luchs (Lynx lynx dinniki) ist sehr wenig bekannt. Es ist eine Unterart des Eurasischen Luchses, die in der Türkei, dem Kaukasus und dem Iran vorkommt
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

09.10.