EUPRIM-Net erhält sieben Millionen Euro

(25.11.2010) EU fördert internationales Netzwerk der Primatenforschung


Außengehege für Rhesusaffen (Macaca mulatta) am Deutschen Primatenzentrum; Bildquelle: Deutsches Primatenzentrum GmbH
Außengehege für Rhesusaffen (Macaca mulatta) am Deutschen Primatenzentrum
Für biologische und biomedizinische Forschung ist die Wissenschaft auf Tierversuche angewiesen. Das Verständnis komplexer Vorgänge im Körper, wie beispielsweise die Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Viren oder die Steuerung von Gehirnfunktionen, erfordert manchmal auch Versuche mit Affen, den so genannten nicht-menschlichen Primaten.


Den besonderen Herausforderungen der Forschung mit Primaten stellt sich EUPRIM-Net, ein Netzwerk aus acht mit diesen Tieren arbeitenden, europäischen Forschungszentren.

Unter Federführung des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) in Göttingen will EUPRIM-Net die Standards und Methoden der Haltung und Zucht von Primaten weiterentwickeln, die Ausbildung in diesem Bereich fördern und durch einen verstärkten Austausch von biologischen Proben und durch Methodenentwicklung die Anzahl der Tierversuche reduzieren. Die EU fördert die Fortsetzung des 2006 initiierten Projekts für die kommenden vier Jahre mit sieben Millionen Euro.

„Neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung mit Primaten sind eine wesentliche Grundlage für Fortschritte in den Bereichen Medizin, Biologie und Biotechnologie. Sie tragen damit dazu bei, unsere Gesundheit auf einem hohen Niveau zu halten und neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln,“ sagte Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) und Sprecher von EUPRIM-Net.

Die Forschung braucht dafür ein Spektrum verschiedener Methoden, einschließlich tierexperimenteller Untersuchungen. Eine besondere Stellung nehmen aufgrund ihrer genetischen und verhaltensbiologischen Nähe zum Menschen die Primaten ein. Sie werden sie nur dann zu Versuchszwecken herangezogen, wenn keine alternativen Methoden zur Verfügung stehen.

Die tierexperimentelle Forschung folgt dabei dem 3R („Refinement“, „Reduction“, „Replacement“) -Prinzip. Dies bedeutet, dass eine kontinuierliche Verbesserung der Versuchsmethoden und dadurch eine Reduzierung der eingesetzten Tierzahlen anzustreben ist und dass, wenn möglich, alternative Methoden entwickelt und eingesetzt werden.

Hier setzt das europäische Netzwerk EUPRIM-Net an. Unter Federführung des DPZ haben sich im Jahr 2006 acht Primateneinrichtungen aus sechs Ländern zusammengeschlossen. „Wir wollten die Kompetenzen der einzelnen Einrichtungen bündeln, Standards zu Haltung, Zucht und Pflege von Primaten weiterentwickeln und vereinheitlichen und so sicherstellen, dass tierexperimentelle Forschung mit Primaten in Europa höchsten Standards genügt,“ sagte Stefan Treue.

Aufgrund des großen Erfolgs dieses Netzwerks wird die EU von 2011 bis 2015 insgesamt weitere sieben Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung stellen. In Zukunft soll das Netzwerk um weitere Primateneinrichtungen und Partner aus der Industrie ergänzt und über die Grenzen Europas hinaus ausgeweitet werden.

In gemeinsamen Forschungsprojekten soll eine Optimierung und Standardisierung der Haltung und Zucht der Tiere sowie der Diagnose und Behandlung ihrer Erkrankungen erreicht werden. Die beteiligten Zentren bieten der europäischen Forschung kostenfreien Zugang zu ihren Biobanken, also ihren Sammlungen von DNA-, Gewebe- und Blutproben sowie zu ihrem Methodeninventar. Auf diese Weise sind neue Forschungsansätze möglich und kann die Anzahl von Tierversuchen reduziert werden.

Ein wichtiges Anliegen von EUPRIM-Net ist die Schulung des technischen und wissenschaftlichen Personals zur Biologie der Primaten und zum Umgang mit ihnen in Menschenobhut. So wurden bereits mehrere internationale Fortbildungen durchgeführt und eine Lehr-DVD über das Primatentraining produziert und über 100 Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt.

Die Untersuchung von Methoden, die alternativ zu Tierversuchen eingesetzt werden könnten, stellt einen weiteren Schwerpunkt in EUPRIM-Net dar. „Zwar werden Versuche an Primaten auf absehbare Zeit unersetzlich bleiben, aber mit unserer Arbeit tragen wir dazu bei, dass Alternativen entwickelt werden,“ sagte Stefan Treue.

Vom 23. bis 25. November 2010 findet am Deutschen Primatenzentrum zum Auftakt der zweiten Förderperiode ein internationales Treffen statt, um gemeinsame Forschungsvorhaben zu besprechen.

Weitere Informationen über EUPRIM-Net unter www.euprim-net.eu

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