"Farmer-Raubtier-Konflikt" tötet Afrikas Raubtiere

(05.10.2012) In Namibia nehmen die 6.000 Nutzviehfarmen etwa die Hälfte der Landesfläche ein. In Botswana leben 2,5 Millionen Rinder, aber nur gut 2 Millionen Menschen. Auch in Kenia schneiden riesige Rinderherden den Raubtieren die Migrationsrouten ab.

In fast allen Ländern mit bedeutenden Raubtierbeständen wird intensive Viehwirtschaft betrieben. Gewinner ist immer die Fleischproduktion, Verlierer ist die Artenvielfalt. Denn überall dort, wo Raubtiere auf Nutztiere treffen, bezahlen sie das ganz häufig mit dem Tod.

Der Mensch dringt mit seinen Viehherden immer weiter in die Schutzgebiete hinein. Pufferzonen, die Wild- und Nutztiere voneinander trennen, schrumpfen. So entsteht der so genannte „Farmer-Raubtier-Konflikt“.

Sobald Löwen, Geparden, Hyänen oder Wildhunde auf Farmen abwandern, darf sie der Farmer unter bestimmten Umständen töten. In manchen Gebieten sterben bis zu 70% der Löwen durch Menschenhand, etwa 40% davon speziell durch Farmer-Raubtier-Konflikte.

Der Farmer-Raubtier-Konflikt ist nach Meinung des SAVE Wildlife Conservation Fund der größte negative Einflussfaktor auf Raubtierbestände.

Auch die EU-Bürger haben ihren Anteil am Raubtiersterben: Die 85 kg Fleisch pro Kopf, die jeder durchschnittlich pro Jahr in der EU verspeist, werden zu einem Teil auch aus Afrika importiert.

Nach Mitteilung der "Botswana Cattle Producer's Association" gingen im Jahr 2010 rund die Hälfte der Rindfleischexporte Botswanas in die EU. Auch wenn dieser Export aktuell aus Hygienegründen auf Eis liegt, bleibt das Problem bestehen.

Wie sehr Fleischkonsum und Überleben von Raubtieren zusammenhängt, verdeutlicht der Vergleich zweier Zahlen: Während die Löwenbestände laut ICUN in den letzten 30 Jahren um mindestens 50% geschrumpft sind, pessimistische Schätzungen gehen sogar von 90% aus, hat sich der weltweite Fleischverbrauch in diesem Zeitraum vervierfacht: von 70 Millionen Tonnen auf mittlerweile 283 Millionen Tonnen pro Jahr.

Für den SAVE Wildlife Conservation Fund ist dies Anlass, zum Weltvegetariertag auf diese folgenschweren Zusammenhänge hinzuweisen.

„Denn dass jährlich 480.000 Tonnen Fleisch aus der EU nach Afrika exportiert werden, ist bekannt und wird umfassend kritisiert“, meint Lars Gorschlüter, Vorstand des SAVE Wildlife Conservation Fund.

„Dass aber auch in Afrika regional produziertes Fleisch in die EU exportiert und wir Europäer damit unseren Negativ-Beitrag zur Artenzerstörung leisten, wissen nur wenige.

Auch Touristen in den Lodges der klassischen Safari-Ziele im südlichen oder östlichen Afrika täten gut daran, mal nach einer vegetarischen Alternative zu fragen um das Artensterben nicht noch weiter zu unterstützen.“



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