Fuchsbandwurm im Siedlungsraum - Resultate eines Zürcher Forschungsprojektes

(10.06.2004) Seit den 1990er Jahren kommen Füchse zunehmend mitten im Siedlungsraum vor. Mit dieser Entwicklung rückte auch der Kleine Fuchsbandwurm vermehrt ins öffentliche Interesse: Der Fuchsparasit kann beim Menschen in seltenen Fällen eine schwere Lebererkrankung, die Alveoläre Echinococcose, auslösen.

Das Bundesamt für Veterinärwesen gab deshalb ein fachübergreifendes Forschungsprojekt in Auftrag.

Im Vordergrund standen das Vorkommen und die Ökologie des Kleinen Fuchsbandwurms im Siedlungsraum. Zudem wurde geprüft, ob der Parasit mit Entwurmungsködern für Füchse dezimiert werden kann.

Nun liegen die Resultate der mehrjährigen, am Institut für Parasitologie der Universität Zürich durchgeführten Forschungsarbeit vor.

Der Kleine Fuchsbandwurm ist der Erreger einer Infektionskrankheit, die in seltenen Fällen den Menschen befallen kann.

In der Schweiz erkranken jährlich 1–2 Personen pro Million Einwohner an der so genannten Alveolären Echinococcose. Trotz des geringen Ansteckungsrisikos ist diese Leberkrankheit eine ernst zu nehmende Erkrankung:

Die Behandlung ist sehr aufwändig und schränkt die Lebensqualität der Betroffenen stark ein.

Untersuchungen des Instituts für Parasitologie der Universität Zürich haben gezeigt, dass der Kleine Fuchsbandwurm bei den Zürcher Stadtfüchsen verbreitet ist.

Während Füchse in zentral gelegenen Quartieren den Parasiten nur selten in sich tragen, ist am Stadtrand der Anteil befallener Füchse mit rund zwei Drittel ähnlich hoch wie im benachbarten Umland.

Am Stadtrand bieten grosse Wiesenflächen einen guten Lebensraum für Wühlmäuse, die dem Kleinen Fuchsbandwurm als Zwischenwirte dienen. Gleichzeitig finden hier – dank einem reichen Angebot an menschlichen Abfällen – viele Füchse ein Auskommen.

Deshalb besteht an der Stadtperipherie für den Menschen vermutlich ein erhöhtes Risiko mit den infektiösen Eiern des Fuchsbandwurms, die mit dem Fuchskot in die Umwelt gelangen, in Kontakt zu kommen.

Obwohl die Fuchsbestände seit rund 20 Jahren ansteigen, wurde bisher jedoch keine bedeutende Zunahme der Erkrankungen beim Menschen festgestellt. Da zwischen Infektion und Diagnose meist 5–15 Jahre verstreichen, kann ein Anstieg des Risikos allerdings nur mit zeitlicher Verzögerung erfasst werden.

Daher wurden mögliche Massnahmen gegen den Fuchsbandwurm frühzeitig evaluiert. In einer Feldstudie wurde die Wirksamkeit von Entwurmungsködern für Füchse untersucht. Die Auslage der Köder war effektiv: Die Häufigkeit des Fuchsbandwurms in den Füchsen konnte um ein Vielfaches gesenkt werden.

Die effektive Anwendung einer solchen Massnahme würde eine umfassende Analyse von Kosten und Risiken voraussetzen und ist letztlich ein politischer Entscheid.

Die Ergebnisse der umfangreichen Studie wurden soeben in der Artikelserie WILDBIOLOGIE  einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Weiterführende Informationen: WILDBIOLOGIE 6/36 «Der kleine Fuchsbandwurm im Siedlungsraum», CHF 6.– und WILDBIOLOGIE 6/32 «Füchse im Siedlungsraum», CHF 10.–. Zu beziehen bei WILDTIER SCHWEIZ, Strickhofstrasse 39, 8057 Zürich, Tel. 01 635 61 31, online-shop: www.wildtier.ch

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