In grösseren Gruppen leben Giraffenweibchen länger

(10.02.2021) Weibliche Giraffen, die sich mit anderen Weibchen zu grösseren Gruppen zusammenschliessen, leben länger als weniger gesellige Individuen.

Geselligkeit beeinflusst das Überleben der Tiere stärker als der Lebensraum oder die Nähe zu Siedlungen, wie eine Studie der Universität Zürich an Giraffen in Tansania zeigt.

Wie wirken sich das soziale Verhalten, die natürliche Umgebung und der Mensch als möglicher Störfaktor auf das Überleben von Giraffen aus?


Giraffenweibchen profitieren davon, in Gruppen mit mehreren anderen Weibchen zu leben

Diese Frage untersuchte ein Team von Biologinnen und Biologen unter der Leitung von Monica Bond, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich (UZH), während fünf Jahren an Giraffen in Tansania.

Das Resultat: Erwachsene Giraffenweibchen, die in grösseren Gruppen leben, überleben länger als sozial isolierte Weibchen.

Geselligkeit führt zu längerem Leben

Im Verlauf eines Tages schliessen sich Giraffen immer wieder zu wechselnden Gruppen zusammen. Erwachsene Weibchen halten allerdings spezifische Freundschaften über längere Zeit aufrecht.

«Das Zusammenleben mit einer grösseren Anzahl Weibchen geht einher mit einer erhöhten Überlebensrate von weiblichen Giraffen, selbst wenn sie ihre Gruppen häufig wechseln», sagt Bond.

«Dabei ist die Geselligkeit der Tiere wichtiger als Umweltfaktoren wie die Vegetation oder die Nähe zu menschlichen Siedlungen.»

Bessere Futterquellen und weniger Belästigungen

Abgesehen von der Wilderei sind Krankheiten, Stress oder Unterernährung die Hauptursachen für die Sterblichkeit erwachsener Giraffenweibchen.

«Soziale Beziehungen können die Effizienz der Nahrungssuche verbessern und helfen, die Konkurrenz mit Artgenossen, drohende Gefahr durch Raubtiere, Krankheitsrisiken und psychosozialen Stress zu bewältigen», erklärt UZH-Professorin Barbara König, Letztautorin der Studie.

Vermutlich schliessen sich Giraffenweibchen mit einer möglichst optimalen Anzahl anderer Weibchen zusammen, um untereinander Informationen über die besten Futterquellen auszutauschen.

Andere Vorteile des Gruppenlebens können sein, dass die Weibchen weniger durch paarungsbereite Männchen belästigt werden, dass sie ihre Jungen gemeinsam betreuen, oder dass schon die Anwesenheit vertrauter Weibchen Stress vermindert.

Die Studie zeigt auch, dass Giraffenweibchen, die näher bei Städten leben, eine etwas geringere Überlebensrate haben, möglicherweise aufgrund von Wilderei durch Stadtbewohner.

Ähnliche soziale Gewohnheiten wie Menschen und Primaten

Das Team dokumentierte das Sozialverhalten der wild lebenden Giraffen mit Hilfe von Algorithmen zur Analyse von Netzwerken – vergleichbar mit solchen, die von Social Media-Plattformen verwendet werden.

Gemäss den Ergebnissen sind die sozialen Gewohnheiten der Giraffen erstaunlich ähnlich wie jene von Menschen und anderen Primaten, bei denen eine grössere soziale Vernetzung ebenfalls mehr Möglichkeiten bietet.

So leben etwa Schimpansen und Gorillas in Gemeinschaften, in denen soziale Bindungen mit vielen Individuen flexiblere Nahrungssuchstrategien ermöglichen. «Giraffenweibchen scheinen einen Vorteil davon zu haben, sich mit mehreren anderen Weibchen zu vernetzen und entwickeln somit ein Gespür für eine grössere Gemeinschaft, nicht aber für eine einzelne Kleingruppe», sagt Monica Bond.

Publikation

M. L. Bond, D. E. Lee, D. R. Farine, A. Ozgul, and B. König. Sociability increases survival of adult female giraffes. 10 February 2021. Proceeding of the Royal Society B. DOI: 10.1098/rspb.2020.2770


Weitere Meldungen

Kordofan-Giraffe; Bildquelle: Fiona MacKay, Pretty Fly Photography

Umfassende Erbgut-Analysen bestätigen vier Arten von Giraffen mit insgesamt sieben Unterarten

Optisch sind sie kaum zu unterscheiden, aber genetische Analysen zeigen: Es gibt vier Arten von Giraffen mit insgesamt sieben Unterarten
Weiterlesen

Giraffen ; Bildquelle: John Nyakatura

Der lange Hals der Giraffe: Neue Erkenntnisse über eine Ikone der Evolution

Die Analyse digitalisierter Sammlungsobjekte konnte eine alte Hypothese bestätigen
Weiterlesen

Giraffenweibchen mit Kälbern; Bildquelle: Christian Kiffner

Menschen beeinträchtigen das Sozialleben von Giraffen

Anwesenheit von Menschen schwächt soziale Beziehungen der Tiere untereinander
Weiterlesen

Giraffenbulle Obi mit Tierpflegerin Irene Greter; Bildquelle: Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky

Neuer Giraffenbulle im Tiergarten Schönbrunn

Am 10. April 2019 ist Giraffenbulle Obi aus Amsterdam angekommen
Weiterlesen

Felix Hager und Kathrin Krausa sind nach Afrika gereist, um dort das Verhalten von Ameisen zu untersuchen.; Bildquelle: RUB, Marquard

Ameisen gegen Elefanten

Ameisen beschützen afrikanische Akazien gegen Fressfeinde wie Elefanten, Giraffen oder Antilopen und erhalten im Gegenzug Unterschlupf und Nahrung von den Bäumen
Weiterlesen

Giraffenbabys erben das Fleckenmuster von ihren Müttern.; Bildquelle: Derek Lee/Wild Nature Institute

Giraffenbabys erben Fleckenmuster von ihren Müttern

Das typische Giraffenmuster wird von der Mutter an das Baby weitervererbt. Von der Musterung hängt zudem das Überleben der jungen Giraffen ab, wie eine Studie der Universitäten Zürich und Penn State belegt
Weiterlesen

Trinkender Angola-Giraffenbulle im Etosha-Nationalpark; Bildquelle: Hans Stieglitz [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons

Gene liefern neue Einblicke in die Verbreitung von Giraffen

Giraffe ist nicht gleich Giraffe – aktuell wird die Art in neun Unterarten unterschieden. Nun hat ein Team des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) in Zusammenarbeit mit der Giraffe Conservation Foundation die räumliche Verbreitung der Tiere in Südafrika anhand ihres genetischen Profils genauer analysiert
Weiterlesen

Tiergarten Schönbrunn

Giraffennachwuchs Arusha im Tiergarten Schönbrunn gestorben

Traurige Nachricht aus dem Tiergarten Schönbrunn: Der männliche Giraffennachwuchs Arusha, der am 4. Juli 2011 in Schönbrunn das Licht der Welt erblickte, ist verstorben. Samstagfrüh fanden die Pfleger das Tier bei Dienstantritt leblos im Stall liegend
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

02.07.