Kaninchen gefährden Pflanzenvielfalt auf Teneriffa

(12.04.2019) Inseln tragen wegen der vielen nur dort heimischen Arten überproportional zur globalen Biodiversität bei. Diese Arten sind aber auch besonders vom Aussterben bedroht.

Eine Studie von Biogeographen der Goethe-Universität zeigt nun erstmals auf der Skala einer ganzen, sehr vielfältigen Insel, nämlich Teneriffa, dass diese Arten von eingewanderten Pflanzenfressern bevorzugt werden.


Aufnahmen im Gelände zur Populationsdichte der Kaninchen in den oberen Lagen des Kanaren-Kiefernwalds. Anhand einer Vielzahl solcher Ringaufnahmen konnte die Populationsdichte der Kaninchen durch zählen ihrer Exkremente über die gesamte Insel ermittelt werden. Im Bild: Victor Bello-Rodríguez von der Universität La Laguna auf Teneriffa zu sehen. Standort auf ca. 1900 m
Teneriffa ist die artenreichste Insel des Atlantiks. Eine weitläufige Annahme ist, dass die dort heimischen (endemischen) Pflanzenarten besonders von eingewanderten Pflanzenfressern, insbesondere Kaninchen, bevorzugt werden.

Diese Pflanzenarten haben sich nämlich unter Bedingungen entwickelt, wo es noch keine großen Pflanzen fressenden Säugetiere gab. Deshalb verfügen sie auch nicht über Mechanismen, sich gegen Fraßfeinde zu wehren.

Das internationale Forschungsteam von Prof. Severin Irl vom Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität hat nun erstmals die gesamte und sehr vielfältige Kanareninsel Teneriffa beprobt und bestätigt, dass endemische Arten stärker von Kaninchen gefressen werden als nicht-endemische: Zwei Drittel aller endemischen Arten sind von Fraßschäden betroffen.

„Wir haben außerdem festgestellt, dass manche Ökosysteme stärker betroffen sind als andere“, fasst Prof. Severin Irl die Ergebnisse zusammen. Wider Erwarten ist die Kaninchendichte ein schlechter Indikator für Fraßschäden.

„Wir gehen davon aus, dass diese Ergebnisse auch für andere Inseln weltweit gelten, da Teneriffa durch seine Vielfältigkeit und seiner Vielzahl an Ökosystemen und Habitaten als Modelsystem für Inseln gelten kann“, so Irl.

Zum Erhalt der kostbaren Biodiversität empfehlen Irl und seine Ko-Autoren von der Universität La Laguna auf Teneriffa, dem El Teide Nationalpark auf Teneriffa und der dortigen Naturschutzbehörde, den Kaninchenbestand auf der Insel stark einzudämmen.



Weitere Meldungen

Nutrias fühlen sich auch vielerorts in Städten wohl – wie etwa hier neben der hochfrequentierten Karlsbrücke in Prag, wo sie zusammen mit den Wasservögeln reichlich gefüttert werden; Bildquelle: Anna Schertler

Nutria - pelzige Exoten auf dem Vormarsch

Die südamerikanische Nutria wird sich in Europa zukünftig noch weiter ausbreiten
Weiterlesen

Universität Wien

Wie viele invasive Arten vertragen unsere Ökosysteme?

Neobiota begünstigen zukünftigen Biodiversitätsverlust dramatisch
Weiterlesen

Das Grauhörnchen ist in der Poebene in Nord-Italien eingeschleppt und verdrängt dort das Eichhörnchen. Bekämpfungsmaßnahmen des Grauhörnchens wurden durch öffentliche Proteste verhindert.; Bildquelle: Jonathan Jeschke

Attraktive eingeschleppte Arten haben es leichter

Die Beliebtheit von invasiven Arten erschwert deren Kontrolle
Weiterlesen

Universität Hamburg

Studie zeigt: Asiatische Hornisse erreicht Hamburg

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) hat Hamburg erreicht. Erstmals identifizierten Wissenschaftler des Centrums für Naturkunde der Universität zusammen mit Bürgerwissenschaftlern ein lebendes Exemplar in Norddeutschland
Weiterlesen

Technischen Universität München (TUM)

Rückgang heimischer Fischarten – invasive Arten nehmen zu

Ein Großteil der bayerischen Fließgewässer ist in keinem guten ökologischen Zustand. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat nun erstmals Langzeitdaten zu den Fischbeständen der oberen Donau, Elbe und des Mains systematisch analysiert
Weiterlesen

Historische Austernschalen aus den Sammlungen von Karl August Möbius, Zoologisches Museum Kiel; Bildquelle: Jutta Drabek-Hasselmann, Zoologisches Museum, Uni Kiel

Austernsterben: Amerikanische Pantoffelschnecke ist unschuldig

Zoologisches Museum Kiel an der Rekonstruktion des Aussterbens der Europäischen Auster federführend beteiligt
Weiterlesen

Universität Wien

Invasive Arten bleiben oft lange unentdeckt

ForscherInnen entwickeln Konzept zum Schutz der Biodiversität
Weiterlesen

Kalikokrebsweibchen können bis zu 495 Eier tragen.; Bildquelle: Grabow / Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Erste Fachtagung zu den hochinvasiven Kalikokrebse

Über 180 Teilnehmer von Behörden, Naturschutzverbänden und Planungsbüros sowie aus Wissenschaft und Politik informieren sich am 7. Dezember über hochinvasive Tierart
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen