Männchen-Service-Hypothese: was Paare zusammenhält

(15.01.2020) Bei Säugetieren sind Paarbindungen sehr selten, zu den wenigen Ausnahmen gehören die Roten Springaffen Südamerikas.

Diese relativ kleinen Baumbewohner leben in Paaren beziehungsweise kleinen Familiengruppen und zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Männchen intensiv um den Nachwuchs kümmern.

Ein Forscherteam vom Deutschen Primatenzentrum – Leibniz-Institut für Primatenforschung hat jetzt untersucht, wie die Paarbeziehungen bei Springaffen funktionieren.


Vater und Sohn: Rote Springaffen im Amazonasregenwald.

Ihre Ergebnisse belegen die sogenannte „Männer-Service-Hypothese“: Die Männchen liefern einen nützlichen Service, indem sie sich mehr um die Kinder kümmern und das Territorium gegen Eindringlinge verteidigen, während die Weibchen mehr die Beziehungspflege übernehmen und beispielsweise die Nähe ihres Partners suchen (Journal of the Royal Society Open Science).

Weniger als zehn Prozent aller Säugetierarten leben in Paarbeziehungen, wobei letztere schwer zu definieren sind. Teilen sich die Tiere lediglich ein Territorium oder handelt es sich um eine langfristige, auf gegenseitigem Kontakt beruhende Beziehung? Und wenn ja, wie wird diese Beziehung aufrechterhalten?

Um dies herauszufinden, haben Verhaltensbiologen vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) sieben an die Gegenwart von Menschen gewöhnte Gruppen von Roten Springaffen im peruanischen Amazonasregenwald nahe der DPZ-Forschungsstation Quebrada Blanco untersucht.

Springaffen sind ein Lehrbuch-Beispiel für Paarleben bei Säugetieren. Die Paare bleiben viele Jahre zusammen und die Männchen bringen sich intensiv in die Jungenaufzucht ein.

Die Jungen werden nahezu ausschließlich vom Vater getragen und werden der Mutter nur zum Säugen übergeben. Außerdem spielen die Väter mit ihren Kindern teilen ihr Futter häufiger mit ihnen als die Mütter dies tun.

Die Forscher wollten wissen, welche Vorteile das Paarleben sowohl für die Männchen als auch für die Weibchen mit sich bringt und welchen Beitrag die jeweiligen Geschlechter zur Beziehung leisten.

Dazu haben sie die Tiere über einen Zeitraum von zwei Mal sieben Monaten von morgens bis abends beobachtet und notiert, welches Tier die Nähe seines Partners suchte, wer bei wem Fellpflege betrieben hat und welche Tiere sich an Auseinandersetzungen mit Eindringlingen beteiligten.

Weibchen betreiben Beziehungspflege, Männchen bieten Serviceleistungen

„Wir haben beobachtet, dass die Weibchen sich insbesondere nach der Geburt eines Jungtiers verstärkt um die Beziehungspflege kümmern, also aktiv die Nähe ihres Partners suchen und bei ihm Fellpflege betreiben“, sagt Sofya Dolotovskaya, Doktorandin am Deutschen Primatenzentrum und Erstautorin der Studie.

Die Männchen hingegen haben sich verstärkt in Auseinandersetzungen mit Eindringlingen eingebracht. „Dieses Verhalten entspricht der ‚Männchen-Service-Hypothese‘, die besagt, dass Weibchen sich vor allem um die Nähe zum Partner kümmern, während dieser nützliche Dienstleistungen erbringt, wie Verteidigung gegen Eindringlinge oder Aufzucht der Jungtiere“, sagt Eckhard W. Heymann, Wissenschaftler am Deutschen Primatenzentrum und Leiter der DPZ-Forschungsstation Estación Biológica Quebrada Blanco in Peru.

„Unsere Ergebnisse untermauern die Hypothese, dass der Einsatz der Männchen für die Jungenaufzucht ein wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen ist.“

In weiteren Untersuchungen wird derzeit geklärt, ob diese Paarbeziehungen mit monogamem Paarungsverhalten einhergehen.

Publikation

Dolotovskaya S, Walker S, Heymann, EW. 2020. What makes a pair bond in a Neotropical primate: female and male contributions. R. Soc. open sci. 7: 191489.


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