Per App auf bedrohte Arten aufmerksam machen

(07.12.2020) Mit einer spielerischen App die Öffentlichkeit für bedrohte Arten sensibilisieren – für dieses Konzept hat eine Forscherin der Uni Würzburg den Jury-Preis der Innovator Challenge des Bayerischen Digitalministeriums gewonnen.

In Deutschland gibt es jedoch kaum noch Feldhamster. Sie stehen auf der Roten Liste, sind also vom Aussterben bedroht. Und der Feldhamster ist nicht allein, die Wissenschaft warnt vor einem Massensterben vieler ganz unterschiedlicher Arten – in Europa und weltweit.

Um dafür ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu entwickeln, hat sich eine Geoökologin der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg mit Studierenden im Rahmen der Innovation Challenge des Bayerischen Staatsministeriums für Digitales zusammengetan. Das Ergebnis ist ein Projekt für eine App, die vor allem auf die spielerische Vermittlung von Wissen setzt – und dafür ausgezeichnet wurde.




Anne Lewerentz ist Promotionsstudentin in der AG Ökosystem-Modellierung bei Prof. Dr. Juliano Sarmento Cabral am Center for Computational and Theoretical Biology an der JMU. Biodiversität ist ihr Forschungsthema: „Dass wir uns mitten in einem Massenaussterben befinden, ist nur wenigen bewusst.

Der Grund dafür sind wir Menschen, durch Landnutzungsänderungen, Wilderei, Klimawandel, Umweltverschmutzung und der Einschleppung invasiver Arten. Wenn aber vom Verlust der Arten gesprochen wird, denkt man eher an den Verlust des Regenwaldes oder das Aussterben der Arktisbewohner, aber selten an den Artenrückgang vor der Haustür“, sagt Lewerentz.

Spielerisch ein Bewusstsein schaffen

Mit der App „SAVEDiversity“ wollen sie und ihr Team den Nutzerinnen und Nutzern die bedrohten Arten aus der eigenen Region vorstellen. „Das kann ein erster Schritt sein, das Thema verstärkt in den gesellschaftlichen Fokus zu rücken.“

Vor allem für Naturbegeisterte dürfte die App in Zukunft Spaß machen. Der Grundgedanke: möglichst viele bedrohte Arten zu sammeln. Dafür gibt es drei Möglichkeiten. Im ersten Modus heißt es Rausgehen, Arten finden und diese fotografieren.

Die Tiere auf den Fotos werden dann per Bilderkennung bestimmt und in die persönliche Sammlung der Nutzerinnen und Nutzer aufgenommen. Der zweite Modus funktioniert per Firmenkooperation: Wer bio oder regional einkauft, bekommt im Laden QR-Codes.

Wer diese scannt, bekommt Arten für seine Sammlung. Der dritte Modus ist als Spiel gedacht: Es wird eine zufällige bedrohte Art – zum Beispiel der Feldhamster – angezeigt, für den dann im Freien diverse leichte Aufgaben zu erledigen sind.

Jury-Preis beim Digitalgipfel gewonnen

Für dieses Konzept wurde das Team nun ausgezeichnet. Im Rahmen des bayerischen Digitalgipfels „Code Bavaria 2020“, mit Ministerpräsident Markus Söder und Digitalstaatsministerin Judith Gerlach, konnte das Team den Jury-Preis der Innovation Challenge #FutureTech4Climate gewinnen.

Nun heißt es für das Team Kooperationspartner zu finden, um die App fertigzustellen. Denn die steckt noch in den Kinderschuhen. Neben Lewerentz, die vor allem die fachlichen Themen übernommen hat, gehören noch Veronika Kriz (Masterstudentin „Digital Marketing“ an der Hochschule Ansbach), Fabio Maienschein (Masterstudent „Wirtschaftsinformatik“ an der Hochschule Karlsruhe) und Marie Rathmayer (Bachelorstudentin „Wirtschaftsingenieurwesen“ an der Hochschule der bayerischen Wirtschaft) zum Team.

Gecoacht wurden sie von „Bayern Innovativ“, die das Team auch weiterhin unterstützen werden. Interessierte an einer Beta-Version können sich auf der Website des Projekts für Neuigkeiten registrieren.



Weitere Meldungen

Annegret Grimm-Seyfarth mit Artenspürhund "Zammy", einem Border Collie.; Bildquelle: André Künzelmann / UFZ

Artenspürhunde liefern wichtige Daten für Forschung und Naturschutz

Die Listen der bedrohten Tiere und Pflanzen der Erde werden immer länger. Doch um diesen Trend stoppen zu können, fehlt es immer wieder an wichtigen Informationen
Weiterlesen

Georg Scattolin vom WWF Österreich mit Wildhütern; Bildquelle: Somphone Bouasavanh / WWF

WWF warnt: Illegaler Schuppentier-Handel boomt

859.000 Pangoline zwischen 2000 und 2019 getötet – Drastische Bestandsrückgänge bis 2040 befürchtet – WWF fordert schärferes Vorgehen gegen Wilderei und illegalen Handel
Weiterlesen

Artenschutzvitrine mit Dunklem Tigerpython; Bildquelle: Christina Rittmannsperger

Neuer Bereich zum Thema Artenschutz im Naturhistorischen Museum Wien

Eine neu gestaltete Vitrine im ersten Stock des NHM Wien behandelt die dringliche Thematik des Artenschutzes mit Fokus auf Reptilien. Schlangen und viele andere Reptilien werden zur Gewinnung von Leder verwendet
Weiterlesen

Mollusken einer Probe aus dem Süden Israels: Die rot markierten Arten stammen aus dem Roten Meer, die blauen aus dem Mittelmeer. Im östlichen Mittelmeer haben tropische Arten die Führung übernommen; Bildquelle: Paolo Albano

Biodiversitäts-Kollaps im östlichen Mittelmeer

Die meisten heimischen Arten sterben regional aus, während sich eingeführte tropische Arten rasch vermehren
Weiterlesen

WWF

Wildtiere: Die Gewinner und Verlierer 2020

Die Naturschutzorganisation WWF zieht Bilanz und veröffentlicht die tierischen Gewinner und Verlierer des Jahres 2020. Für Feldhamster, Lemuren, Tintenfische und Australiens Wildtiere war es kein gutes Jahr
Weiterlesen

Erst im November waren erneut Wisente im Norden Aserbaidshans ausgewildert worden; darunter auch der zweijährige Bulle Beppo - geboren im Zoo Berlin; Bildquelle: Verband der Zoologischen Gärten (VdZ)/Tierpark Berlin

Zoos steigern Artenschutzbemühungen: Anzahl der Auswilderungen deutlich gestiegen

Die zoologischen Gärten haben ihre Anstrengungen im Artenschutz in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. Das hat eine Untersuchung des Verbandes der Zoologischen Gärten bei seinen Mitgliedern ergeben
Weiterlesen

 Anaga-Berge auf Teneriffa; Bildquelle: Manuel Steinbauer

Hohe Zahl ausgerotteter Vogelarten verleitet zur Fehleinschätzung evolutionärer Dynamik

Mit dem Verlust ihrer Flugfähigkeit haben sich Vögel im Laufe der Evolution an die einzigartigen Lebenswelten abgelegener ozeanischer Inseln angepasst
Weiterlesen

Orang-Utan; Bildquelle: Rhino and Forest Fund e.V.

Weiterer Meilenstein für Wildtierkorridor in Borneo

Vor einem Jahr startete die Kooperation vom Rhino and Forest Fund (RFF) – einer Ausgründung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) – und dem Borneo Orangutan Survival (BOS) Deutschland e.V.
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen