Die Deutsche Wildtier Stiftung und das Bundesamt für Naturschutz starten Rettungsprojekt für den Schreiadler

(14.04.2011) Nachdem Bachstelze und Feldlerche, Weißstorch und Hausrotschwanz bereits vor Wochen aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sind, haben jetzt auch die ersten Schreiadler ihre Brutgebiete in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg erreicht.

Mittlerweile brüten weniger als 100 Paare des vom Aussterben bedrohten Schreiadlers (Aquila pomarina) in Deutschland. Um den so selten gewordenen „Pommernadler“ zu retten, hat die Deutsche Wildtier Stiftung ein neues Schutzprojekt gestartet.

Neben der maßgeblichen Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) wird das Projekt auch durch das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Mit rund 1,5 Millionen Euro sollen in fünf Schreiadlerlebensräumen modellhaft Maßnahmen zum Schutz des Schreiadlers erprobt und die Vorkommen so langfristig gesichert werden.

Die Projektgebiete liegen im Naturpark Feldberger Seenlandschaft und bei Teterow im Kreis Güstrow. „In den fünf ausgesuchten Brutgebieten sollen jeweils etwa 50 Hektar Offenland und 50 Hektar Wald schreiadlergerecht bewirtschaftet werden.

Wir wollen mit den Land- und Forstwirten langfristige Verträge abschließen, damit der Schreiadler auch in Zukunft geeignete Lebensräume findet“, sagt Andreas Kinser, Projektleiter bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wichtig sind beispielsweise die Umwandlung von Ackerland in Grünland oder Brachen und Nutzungseinschränkungen in den Brutwäldern.“

Dabei setzt das Projekt auf die Kooperation mit den Land- und Forstwirten. „Ohne eine Zusammenarbeit schaffen wir es nicht, den Pommernadler zu retten. Wer mitmacht, leistet einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz! Ackern für den Adler zahlt sich obendrein aus: Wirtschaftliche Nachteile sollen durch Zahlungen ausgeglichen werden“, erklärt Andreas Kinser.

Dabei gilt: die betriebswirtschaftlichen Erfordernisse der Land- und Forstwirte so wenig wie möglich zu beschränken und gleichzeitig eine langfristige Perspektive für den Schreiadler zu erreichen.

„Die fünf Projektregionen sollen ein Modell für alle noch vorhandenen Brutplätze des Schreiadlers in Deutschland werden“, sagt Dr. Sandra Balzer, die im Bundesamt für Naturschutz für das Projekt zuständig ist.

„Denn nur mit den Landnutzern gemeinsam können wir diese seltene Vogelart vor dem Aussterben bewahren.“ Das Projekt wird als sogenanntes Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

Der Fördertitel des Bundesumweltministeriums (BMU) „Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E-Vorhaben) im Bereich Naturschutz und Landschaftspflege“ wurde 1987 eingerichtet.

Er eröffnet die Möglichkeit, die konzeptionellen Vorstellungen des Bundes zur Naturschutzpolitik beispielhaft zu demonstrieren, in der Praxis weiterzuentwickeln und so die Entscheidungsgrundlagen für die künftige Arbeit zu verbessern. Der Fördertitel wird fachlich und administrativ vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) betreut.

Im Rahmen des Ende 2010 angelaufenen E+E-Vorhabens „Sicherung und Optimierung von Lebensräumen des Schreiadlers in Mecklenburg-Vorpommern“ sollen erstmalig Methoden und Verfahren zur nachhaltigen Sicherung und Optimierung der Brutplätze für den stark gefährdeten Schreiadler in Deutschland entwickelt und modellhaft in die Praxis umgesetzt werden.

Dabei stehen die schreiadlergerechte Bewirtschaftung von Wald und Offenland und die Festlegung von Waldschutzarealen in den jeweiligen Brutgebieten im Vordergrund. Notwendig für die Erhaltung der Schreiadlervorkommen ist die Sicherung von Waldschutzarealen, die unter bestimmten Voraussetzungen auch einer eingeschränkten Bewirtschaftung unterliegen können.

Daneben müssen vor allem die Nahrungshabitate der Schreiadler gesichert werden, die sich überwiegend in den landwirtschaftlich genutzten Offenlandbereichen innerhalb eines Radius von 3 km um den Horst herum befinden.

Die Ergebnisse des Vorhabens sollen in einen Leitfaden für den Schutz des Schreiadlers in Deutschland und die Weiterentwicklung von Förderinstrumenten einfließen. Das Projekt wird durch die Deutsche Wildtier Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Feldberger Seenlandschaft und dem Büro Salix (Dr. Wolfgang Scheller) bearbeitet. 

www.DeutscheWildtierStiftung.de

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