Schreiadler senden Flugdaten

(31.10.2008) Schreiadler aus dem Schutzprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung auf dem gefährlichen Flug ins afrikanische Winterquartier

Er war völlig entkräftet, doch der junge Schreiadler aus dem Schutzprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung hatte großes Glück: Er wurde in Norditalien aufgegriffen und in eine Auffang- und Pflegestation gebracht.

„70 bis 80 Prozent der jungen Schreiadler überleben ihre erste Reise nach Afrika nicht“, sagt Margit Meergans, Projektkoordinatorin des Schreiadler-Schutzprojektes der Deutschen Wildtier Stiftung.

Deshalb verfolgen die Mitarbeiter der Stiftung in Hamburg in diesen Tagen gespannt die Flugrouten von sechs Alt- und 16 Jungvögeln der schokoladenbraunen Schreiadler.

Die Vögel wurden im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Schutzprojektes der Deutschen Wildtier Stiftung mit GPS-Sendern versehen. „Niemals vorher sind so viele Schreiadler besendert worden“, sagt Margit Meergans.

„Wir gewinnen gerade erstaunliche Erkenntnisse über das Zugverhalten.“ So ist ein Jungvogel von Kreta aus über das Mittelmeer nach Nordafrika geflogen. Bisher waren alle Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Schreiadler die Thermik nutzen und deshalb ausschließlich über Land fliegen und den Flug über das offene Meer meiden.

Ist die kräftezehrende Flugroute von Kreta übers Mittelmeer nur eine Ausnahme? Handelt es sich um den „Irrtum“ eines unerfahrenen Jungvogels? Gibt es gar mehrere Flugrouten?

„Der Schreiadler gibt den Wissenschaftlern noch viele Fragen auf“, sagt Professor Bernd-Ulrich Meyburg, Schreiadler-Experte und Partner der Deutschen Wildtier Stiftung.

Erstmalig konnten im Projekt der Deutschen Wildtier Stiftung auch belastbare Zahlen über die Todesrate von jungen Schreiadlern auf ihrem ersten Zugweg in das südliche Afrika ermittelt werden.

Ein Vogel ist vor Malta ertrunken, einer in Tschechien mit einem Auto kollidiert, einer in der Ukraine gegen einen Hochspannungsmast geflogen und umgekommen.

Ein weiterer Vogel ist über dem Sinai verschollen. Der Unglücksvogel, der in Turin entkräftet gefunden wurde, litt unter Parasitenbefall und musste eine Weile zwangsernährt werden, doch dann konnte er seinen Flug nach Afrika fortsetzen.

In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands, die erst im September neu herausgegeben wurde, ist der Schreiadler jetzt in der Kategorie 1 – „vom Aussterben bedroht“ – aufgeführt.

Er gehört damit zu den am stärksten gefährdeten Greifvogelarten Deutschlands. Sein Überleben ist in besonders hohem Maße von Schutzmaßnahmen abhängig. Margit Meergans: „Die nächste Kategorie heißt Null: Sie steht für Ausgestorben oder verschollen. So weit darf es mit dem Schreiadler nicht kommen!“


Die routinierten Altvögel haben den gefährlichen Teil der 10.000 Kilometer langen Reise bereits überstanden. Alle sechs besenderten Altvögel sind schon weit genug nach Süden vorgedrungen: Einer befindet sich jetzt über Sambia, die anderen haben es bis weit in den Sudan geschafft.

Damit haben sie eine besonders kritische Etappe der Reise über dem Libanon und Syrien überlebt. Denn dort lauern Wilderer, die die in den Süden ziehenden Greifvögel als Trophäe vom Himmel holen.
 
Weitere Informationen finden Sie auf der Website: www.DeutscheWildtierStiftung.de.

Eine Karte des Zugweges ist in Kürze verfügbar.

 


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