SAVE fordert Schutz des Lebensraums statt aufwendiger Zuchtprogramme

(20.02.2012) Dass sich Artenschutz lohnt, zeigen uns viele positive Beispiele: Die bedrohten Berggorillas haben sich dank intensiver Schutzbemühungen wieder erholt, genau wie die einst vor der Ausrottung stehenden Elefanten.

Doch wie zäh diese Arbeit ist, zeigt ein Blick in die verschiedenen Raubtierschutz-Projekte des SAVE Wildlife Conservation Fund. Egal, ob in Botswana, in Kamerun, Gabun oder im Kongo: Immer stehen menschliche Interessen denen der Wildtiere gegenüber: Menschen beanspruchen immer mehr Acker- und Weidefläche, dringen in die Randzonen der Wildschutzgebiete ein, Konflikte sind vorprogrammiert.

Rinder, die auf den angrenzenden Farmen leben, sind leichte Beute vor allem für Raubkatzen, die deshalb oft von Farmern erschossen werden.

Seit dem 17. Jahrhundert hat sich das Artensterben rasant beschleunigt. Ein leises Drama. Neueste Erhebungen gehen davon aus, dass täglich bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten aussterben . Mindestens 5.400 Tierarten stehen laut UNEP an der Grenze zur Ausrottung.

Erst langsam kommen Wissenschaftler überhaupt dahinter, welch wichtige Rolle Raubtiere und die großen Beutegreifer im Ökosystem spielen: Stirbt beispielsweise der Hai aus, stirbt das gesamte Riff.

Trotzdem werden täglich 250.000 Tiere getötet und zu Haifischflossensuppen oder Schillerlocken verarbeitet. Große Beutegreifer sind unerlässlich für ein funktionierendes Ökosystem.

Sie sorgen für Artenvielfalt, Erhaltung der Flora und Verhinderung weiterer Klimaerwärmung. Sie verhindern die Ausbreitung von für den Menschen gefährliche Krankheiten wie Ebola oder Borelliose, indem sie Überträger und Wirte fressen - wie beispielsweise Primatenarten in Afrika.

Manche Arten werden verschwinden, bevor wir sie bemerkt haben. Zum Beispiel der Afrikanische Wildhund: Obwohl diese Tiere laut IUCN-Roter Liste als vom Aussterben bedroht eingestuft sind – es leben maximal noch 3.500 Exemplare – gibt es immer noch legale Abschussrechte für Rinderfarmer. SAVE hat dem Afrikanischen Wildhund ein spezielles Schutzprogramm gewidmet.

Farmer-Aufklärung und Kompensationszahlungen gehören dazu, genau so wie Umweltbildungsprogramme für Kinder und Forschungsstipendien für  besonders begabte botswanische Biologiestudenten.

Ein anderes trauriges Beispiel: der Löwe, für den SAVE ebenfalls ein Schutzprogramm entwickelt hat. Seit jeher ein Symbol für Kraft und Macht reichte sein Habitat einst von Indien über den Nahen Osten bis nach Europa. Heute gibt es noch rund 20.000 Überlebende. Vor rund 60 Jahren waren es noch 400.000 - ein Rückgang der Population um 95%!

In einem SAVE-Forschungsgebiet in Gabun wurde der letzte Löwe im Jahr 2006 getötet und auch die Tüpfelhyäne gilt dort als ausgestorben. SAVE-Forscher gaben erst vor wenigen Wochen die Meldung raus, dass es dort überhaupt keine großen Beutegreifer mehr gibt.
Anderswo, beispielsweise am Boteti-River in Botswana, ist die übriggebliebene Löwenpopulation mit 60 Exemplaren so klein, dass sie kaum noch eigenständig überleben kann.

„Es sind weniger Dürren oder Seuchen, die den Löwen zusetzen. Das Problem ist menschengemacht“, so Lars Gorschlüter. „Der Mensch  dringt in ihren Lebensraum jagt sie ihrer Trophäe wegen und tötet sie zum Schutz des Nutzviehs. Und deshalb gilt all unser Engagement zunächst den Menschen. Erst wenn wir sie mit ins Boot holen, ihnen wirkliche Hilfen anbieten, dann lassen sie auch die Wildtiere am Leben.“

Diese Schutzprogramme verschlingen Unsummen: Sie funktionieren nur, wenn es einen „Notdienst“ gibt, der wildernde Raubtiere sofort auf der Farm einfängt und umsiedelt oder die Farmer angemessen entschädigt werden.

Doch dieses Geld ist, so der SAVE-Gründer, allemal besser investiert als aufwendige Zuchtprogramme in Zoos mit Tieren, die man am Ende doch nicht mehr auswildern kann. „Prinzipiell halten wir es für nachhaltiger und auch günstiger, Schutzmaßnahmen zu ergreifen, bevor die Tiere kurz vor der Ausrottung stehen anstatt hinterher Unsummen für eine Art am Rand des Aussterbens auszugeben.“

www.save-wildlife.com

Weitere Meldungen

Nördliches Breitmaulnashorn; Bildquelle: Ami Vitale

Wissenschaftsteam erzeugt einen dritten Embryo - ein weiterer Schritt zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns

Im August 2019 hat das BMBF-geförderte „BioRescue Wissenschafts- und Naturschutzteam“ einen Meilenstein im Kampf gegen das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns erreicht
Weiterlesen

Tiere der untersuchten Population; Bildquelle: Robynne Prinsloo

Südliche Breitmaulnashörner sind durch Inzucht und die Fragmentierung ihrer Lebensräume bedroht

Die Fragmentierung der natürlichen Lebensräume durch Zäune und Siedlungen wird den Nashörnern zum Verhängnis. Sie verhindert eine natürliche Abwanderung aus dem Familienverband und führt zu Paarungen unter nahen Verwandten
Weiterlesen

WWF

WWF schickt Panzernashörner auf Reisen

Mitte April wurde in Nepal das erste von fünf Panzernashörnern aus einem Schutzgebiet mit stabilem Bestand in einen neu gegründeten Nationalpark umgesiedelt
Weiterlesen

Elefant; Bildquelle: Rettet die Elefanten Afrikas e.V.

Global March for Elephants and Rhinos am 24. September auch in Deutschland

Tausende von Menschen in mehr als 145 Städten auf 5 Kontinenten haben sich über Länder- und Kulturgrenzen hinweg zusammengeschlossen, um gegen die Bedrohung der Wildtiere zu demonstrieren
Weiterlesen

WWF

World Rhino Day: Bisherige Erfolge beim Spitzmaulnashorn durch Wilderei gefährdet

Am World Rhino Day richtet der WWF die Aufmerksamkeit auf das vom Aussterben bedrohte Spitzmaulnashorn. Seit 2003 betreibt der WWF das Black Rhino Range Expansion Project (BRREP) mit dem Ziel, die Anzahl der Spitzmaulnashörner und die Fläche, auf der diese Tiere in Südafrika vorkommen, zu erhöhen
Weiterlesen

CITES CoP17

Kampf dem illegalen Handel mit Nashorn in Vietnam

Es gibt nach wie vor keine Anzeichen für eine Verbesserung der Situation rund um die Nashorn-Wilderei
Weiterlesen

Connected Conservation

Artenschutz durch Digitalisierung

Dimension Data und Cisco setzen neue Technologien gegen Wilderei in südafrikanischen Wildtierreservaten ein
Weiterlesen

WWF

WWF meldet Erfolg: Keine Wilderei von Nashörnern in Nepal seit zwei Jahren

Während Afrika damit kämpft, die Wilderei von Tausenden von Nashörnern einzudämmen, wurde das letzte Nashorn in Nepal am 2. Mai 2014 gewildert
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen