Strategien zum Umgang mit den Wölfen

(20.05.2019) Die derzeitige Rückkehr der Wölfe in von Menschen dominierten Landschaften stelle eine große Herausforderung für den Schutz dieser Tierart dar, sagt Naturschutzbiologe Privatdozent (PD) Dr. Marco Heurich von der Universität Freiburg.

Er betont, dass die Erhaltung der Wölfe in diesen Landschaften Konflikte über die Tötung von Nutztieren, die Konkurrenz mit Jägerinnen und Jägern und die menschliche Sicherheit hervorrufe. Denn die Frage, wie Menschen mit Raubtieren koexistieren können, löse starke Emotionen aus.

Auf Basis dieser Beobachtungen hat ein Team von Wissenschaftlern um Dr. Dries Kuijper vom Säugetierforschungsinstitut der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Białowieża/Polen das vorhandene Wissen über den Umgang mit freilebenden großen Fleischfressern in Europa und anderen Teilen der Welt analysiert.


Die Frage, wie Menschen mit Wölfen koexistieren können, löst starke Emotionen aus

Ziel war es, eine objektive, wissenschaftlich fundierte Diskussion über verschiedene Szenarien des Wolfsmanagements zu ermöglichen. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Biological Conservation vor.

Nach Ansicht der Wissenschaftler steht die in anderen Ländern außerhalb der Europäischen Union oft befürwortete Kontrolle der Wolfspopulationen in einem klaren Widerspruch zu geltenden europäischen Gesetzen. Darüber hinaus zeigen mehrere Studien, dass die Kontrolle der Populationen durch Jagd Konflikte nicht löst und sogar erst zu Problemen zwischen Mensch und Tier führen kann.

Das Einzäunen der Gebiete, in denen Wölfe leben, ist ein in anderen Teilen der Welt verbreitetes Instrument zur Eingrenzung von Raubtieren. Doch auch das sei, so die Forscher, in den stark fragmentierten europäischen Landschaften nicht in dem Maße praktikabel, wie es für die Erhaltung einer gesunden Wolfspopulation erforderlich wäre.

Darüber hinaus habe ein großflächiger Bau von Zäunen negative Auswirkungen auf andere Wildtiere, da dieser zu einer Fragmentierung von Lebensräumen führt. Kleinere elektrische Zäune seien jedoch wirksam, um Wölfe von stark konfliktträchtigen Gebieten mit hoher Dichte an Nutztieren auszuschließen, betonen die Wissenschaftler,

Aus rechtlicher Sicht ist es am wenigsten problematisch, wenn keine vorbeugenden Maßnahmen gegen die Wölfe getroffen werden, sondern Nutztiere geschützt und Entschädigung für entstandene Schäden gezahlt werden. Das Team um Heurich geht aber davon aus, dass dann mit wachsenden Wolfsbeständen auch die Konflikte zwischen Mensch und Wolf häufiger werden. Neben dem Schutz der Nutztiere durch zum Beispiel elektrische Zäune oder Herdenschutzhunde empfehlen die Forscher, die natürliche Population von Huftieren wie Rehen und Rothirschen zu stärken, um dadurch Konflikten vorzubeugen.

Zudem schlagen die Wissenschaftler vor, das Verhalten von Wölfen zu beeinflussen und auf das richtige Verhalten von Menschen hinzuwirken. Der Einsatz von so genannten Vergrämungsmaßnahmen, also negativer Konditionierung, soll bewirken, dass die Tiere Menschen meiden. Gleichzeitig müssen Menschen aber lernen, Respekt vor den Tieren zu haben. So könne ein Aufeinandertreffen von Wölfen mit Nutztieren und Menschen vermieden werden.

Allerdings liegen mit diesem Verfahren bislang nur Erfahrungen aus dem Yellowstone Nationalpark/USA vor, so dass seine Eignung für Mitteleuropa erst untersucht werden muss, erklären die Freiburger Wissenschaftler.

Abschließend betonen Heurich und seine Kollegen, dass ein wichtiger Aspekt des Wolfsmanagements darin bestehe, der Öffentlichkeit eine ausgewogene Sichtweise auf die Wölfe zu vermitteln: „Menschen müssen vom ökologischen Wert, den die Rückkehr der Wölfe hat, überzeugt werden. Es ist notwendig, zu zeigen, dass diese Tiere ein sehr geringes Risiko für die menschliche Sicherheit darstellen. Aber dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Wölfe große Raubtiere sind, die Respekt verlangen.“

An der Studie beteiligt sind Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, vom Rechtsinstitut der Universität Tilburg/Niederlande, der Universität Groningen/Niederlande, der Universität Utrecht/Niederlande, der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala/Schweden und der Nelson-Mandela-Universität in Port Elizabeth/Südafrika.



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