Tierschutz auf hoher See

(18.01.2017) Nachrichtentechniker der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg bestimmen Art und Anzahl von Meeressäugern in Echtzeit.

Mit einer Weiterentwicklung des passiv-akustischen Monitorings (PAM) ist es Wissenschaftlern der Helmut-Schmidt-Universität erstmals gelungen, Anzahl und Art verschiedener Meeressäuger unter Wasser in Echtzeit zu bestimmen.

„Damit könnten beispielsweise Besatzungen von Fischtrawlern jederzeit beobachten, wie sich Wale oder Delfine in ihrer Umgebung bewegen und sie so gezielt umgehen“, sagt Carlos de Obaldía (30), Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Allgemeine Nachrichtentechnik.


Meeressäuger durch passiv-akustisches Monitoring erkennen: Carlos de Obaldía forscht dazu an der Helmut-Schmidt-Universität

Auch in stark frequentierten Wasserstraßen wären Meeressäuger mit dieser Technik weitaus besser geschützt. Notwendig sind dazu neben einem Hydrophon lediglich ein digitaler Hochfrequenz-Empfänger (softwaredefiniertes Radio, SDR) und eine frei verfügbare Software.

„Wale und Delfine verfügen über eine sehr enge Sozialstruktur. Und sie sind sehr kommunikativ“, sagt der aus Panama stammende Ingenieur.

Je nachdem, ob sie Futter suchen, spielen oder zu anderen Plätzen wandern, verständigen sie sich in schneller Folge über Klick-, Schnalz-, Surr-Laute oder Pfeifen.

Dabei nutzen sie ganz unterschiedliche Frequenzen. Während Pottwale in einem Frequenzbereich von bis zu 14 Kilohertz klicken, kommunizieren Schnabelwale auf Frequenzen von 20 bis etwa 90 kHz oder Schweinswale bis zu 150 kHz.

Carlos de Obaldía ist es gelungen, die von Hydrophonen empfangenen Laute der Meeressäuger von den von Schiffen und Windrädern erzeugten Störgeräuschen unter Wasser zu segmentieren und in Abhängigkeit von Wasserdruck, Salzgehalt und Temperatur so zu bereinigen, dass sie Pott-, Schweins- und Schnabelwalen zuzuordnen sind.

Unter Extraktion von Klicks und Reflektionen und unter Berücksichtigung der biologischen Besonderheit einzelner Tiere kann de Obaldía mit Korrespondenzanalyse zusätzlich die exakte Zahl und Größe der Individuen in Echtzeit ermitteln. Bisher waren dazu langwierige Berechnungen nötig.

Die neue Technik soll nun auf rund 70 weitere Wal- und Delfinarten ausgeweitet werden.




Weitere Meldungen

Zeichnung von Walen und Delfinen.; Bildquelle: Figure made by Carl Buell, @John Gatesy

Verloren gegangene Gene bei Walen und Delfinen halfen bei Anpassung an Wasserwelt.

Obwohl Wale und Delfine ihr ganzes Leben im Meer verbringen, haben sich diese luftatmenden Säugetiere ursprünglich aus Landbewohnern entwickelt, die vor etwa 50 Millionen Jahren lebten
Weiterlesen

Das Pottwalskelett im Hörsaal der Hermann-Hoffmann-Akademie.; Bildquelle: JLU / Rolf K. Wegst

Fachsymposium zu Walen an der Hermann-Hoffmann-Akademie der Universität Gießen

Mit der „Welt der Wale“ beschäftigt sich am 24. Oktober 2019 ein Fachsymposium an der JLU – Anmeldung bis zum 31. August 2019
Weiterlesen

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover

Symposium zur Gesundheit von Meeressäugern

Über vier Jahre untersuchte ein internationales Forscherteam an Museumspräparaten und aktuellen Proben, wie sich der Gesundheitszustand mariner Säugetiere über die vergangenen Jahrzehnte veränderte
Weiterlesen

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Das Kräfteverhältnis der Meerestiere könnte sich durch die Erwärmung der Ozeane verschieben

In der Ökologie gilt die Regel, dass die Biodiversität in Richtung Äquator ansteigt und in den Tropen am höchsten ist
Weiterlesen

Gestrandete Pottwale im Hafen von Holmer Siel auf Nordstrand; Bildquelle: Abbo van Neer

Untersuchung der Pottwalstrandungen 2016 abgeschlossen

Gründe für die Strandung von 30 Pottwalen in der Nordsee wahrscheinlich komplexes Zusammenspiel von Umweltfaktoren
Weiterlesen

Mit einem Kran wird der Pottwal auf die Plattform am Deich gehoben, auf der die Obduktionen durchgeführt wurden; Bildquelle: Sonja von Brethorst

2016 gestrandete Pottwale gehörten zwei unterschiedlichen Gruppen an

Schadstoffe und genetische Analysen verraten Herkunft und Gruppenzugehörigkeit
Weiterlesen

Zählung aus dem Flugzeug; Bildquelle: Nino Pierantonio

1,5 Millionen Wale, Delphine und Schweinswale im europäischen Atlantik

Internationale Forschergruppe führt Erhebung durch: Die Bestände sind stabil
Weiterlesen

Zu den stark bedrohten Tierarten gehört auch Jangtse-Glattschweinswal (hier im Poyang-See in China).; Bildquelle: Huigong Yu

Gefährdete Giganten: Große Süßwasser-Tierarten sind weltweit am stärksten vom Aussterben bedroht

Süßwasser-Megafauna wie Flussdelfine, Krokodile oder Störe haben eine enorm große Bedeutung für ihr jeweiliges Ökosystem
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen

09.10.