Wildkatzenprojekt der Deutschen Wildtier Stiftung geht in die zweite Runde

(04.04.2017) Felis silvestris hält gern ein Mittagsschläfchen, am liebsten gut versteckt in hohlen Bäumen. Das ist die Gelegenheit: Bis auf 50 Meter kann sich ein Biologe nun nähern, ohne dass sich die scheue Wildkatze gestört fühlt.

Er will an ihre Daten – Daten, die die Katze - oder der Kater - in einem Halsband in Form eines GPS-Geräts trägt. Auf das Material sind nicht nur die Experten der Deutschen Wildtier Stiftung sehr gespannt! Denn es geht um ein bislang einmaliges Projekt in noch nicht da gewesener Größenordnung.

Deutsche Wildtier Stiftung „Neben regelmäßig erfassten Informationen zu den Aufenthaltsorten, die die Wildkatzen über ihre Sender liefern, erfolgt erstmals auch eine Erhebung der Stressbelastung von Wildkatzen – zum Beispiel durch den Bau oder Betrieb von Windkraftanlagen“, erklärt Malte Götz, Projektleiter bei der Deutschen Wildtier Stiftung.

Alle fünf Stunden erfasst und speichert der Halsbandsender, was die Wildkatzen in drei Untersuchungsgebieten in den Wäldern von Rheinland Pfalz tun. Die Daten dienen unterschiedlichen und umfangreichen Analysen zur Raumnutzung und zu Bewegungsmustern. Denn das Verhalten der scheuen Wildkatzen gegenüber möglichen Störungen ist noch nicht erforscht.

„Wie kommen sie mit zunehmender Lärmbelastung und Beunruhigung zurecht? Ist Windkraft im Wald ein Problem? Was beeinträchtigt die Aufzucht der Jungen? Viele Fragen – doch die Antworten sind heute noch so gut wie unbekannt“, sagt der Experte.

Um die GPS-Sender etwa alle zwei Wochen auszulesen, muss sich der Wildbiologe dem Tier auf leisen Sohlen nähern. Das Aufspüren der Wildkatzen erfolgt mit Hilfe eines Radiosignals, das täglich über mehrere Stunden vom Senderhalsband ausgestrahlt wird.

Aus sicherer Distanz - zwischen 50 und 200 Metern – werden dann mit einem speziellen Empfänger die sensiblen Daten übertragen. Bester Zeitpunkt für die Datenübermittlung ist die Schlafphase der Wildkatzen mitten am Tage.

Aber auch die Frage nach dem Nachwuchs treibt die Forscher um: Die Ranzzeit geht im Februar zu Ende. Wenn alles gut läuft, bringen die Katzen jetzt ab April drei bis sechs Junge zur Welt.

„Herauszufinden, wo Mutter Wildkatze ihre Jungen in von möglichen Störungen beeinflussten Gebieten aufzieht, würde die Forschung rund um die spannenden Tiere weiter vorantreiben“, sagt Malte Götz.

Mit der Auswertung der bislang einmaligen Daten in diesem Umfang zur Lebensraumnutzung geht Deutschlands größtes Wildkatzenprojekt in die wichtige zweite Runde.

Insgesamt 36 Tiere in drei Waldgebieten in Rheinland-Pfalz – 18 Kater und 18 Katzen – streifen momentan mit GPS-Technik am Hals durch die idyllischen Landschaften. In aller Regel unentdeckt; nur die Forscher bleiben ihnen dicht auf der Spur.


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