Ein Fünftel der Tiere und Pflanzen in Europa bedroht

(15.11.2023) Umweltplanerin Melanie Bilz erklärt im Interview die Hintergründe zu den alarmierenden Zahlen einer kürzlich u.a. von ihr veröffentlichten internationalen Studie. Lebensraumverlust durch Landwirtschaft, Bebauung und Umweltverschmutzung sind Hauptursachen für Artensterben in Europa.

Eine kürzlich veröffentlichte internationale Studie, initiiert von TU-Alumna Dr. Melanie Bilz während ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit am Institut für Landschaftsplanung, zeigt alarmierende Trends beim Artensterben in Europa. 

Technische Universität Berlin Lebensraumverlust durch Landwirtschaft, Bebauung und Umweltverschmutzung erweisen sich als Hauptursachen für den bedrohlichen Rückgang der biologischen Vielfalt in der Region.

Die Studie analysierte 14.669 Arten in Europa. Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Ein Fünftel der Tiere und Pflanzen in Europa ist bedroht, wobei das Aussterberisiko für Pflanzen (27 %) und Wirbellose (24 %) höher ist als für Wirbeltiere (18 %).

Dr. Melanie Bilz, Zweitautorin der Studie, erklärt die Hintergründe: „Die Europäische Union hat seit 2006 Rote Listen erstellen lassen, die eine breite Palette von Arten abdecken, darunter Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Fische, Insekten und Pflanzen. Die umfassende Datenlage ermöglichte es uns, die Bedrohungslage für insgesamt 14.669 Arten zu bewerten." Die Basis dieser Daten wurden von hunderten Expert*innen aus verschiedenen Universitäten, Museen und Botanischen Gärten Europas zusammengetragen.

Lesen Sie das ausführliche Interview mit Dr. Melanie Bilz zu den Hintergründen und Ergebnissen der Studie.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Weltweit sind etwa zwei Millionen Arten gefährdet, doppelt so viele wie bisher angenommen. Dies liegt unter anderem an der vorsichtigen Schätzung des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) bezüglich Insektenarten.

Dr. Bilz betont die Notwendigkeit, auch Data-Deficient-Arten, zu denen also noch keine Informationen vorliegen, in die Bewertung einzubeziehen, da diese höchstwahrscheinlich ebenfalls gefährdet sind.

Ursachen und Verantwortung

Die intensive wirtschaftliche Nutzung von Landflächen und Meeren wurde als größte Bedrohung und Ursache für das Artensterben identifiziert. Besonders betroffen sind Lebensräume in den Bergen, die viele endemische Arten beherbergen. Melanie Bilz unterstreicht die Verantwortung Europas für den Schutz der heimischen Arten, von denen knapp die Hälfte ausschließlich in Europa vorkommt.

Maßnahmen und politische Forderungen

Die Studie zeigt, dass gezielte Schutzmaßnahmen wie die Schaffung von Schutzgebieten und Überwachungsprogramme notwendig sind, um das Artensterben zu stoppen. Nur regelmäßige Evaluierungen können den Erfolg von Schutzmaßnahmen überprüfen.

Melanie Bilz begrüßt die Initiative der Europäischen Union, bis Dezember 2024 etwa 10.000 der untersuchten Arten erneut zu evaluieren. Das Artensterben in Europa erfordere jedoch dringende Maßnahmen und eine verstärkte politische Berücksichtigung der biologischen Vielfalt als Grundlage menschlichen Lebens.

Hoffnung und gesellschaftliches Engagement

Trotz der besorgniserregenden Zahlen zeigte sich Melanie Bilz hoffnungsvoll angesichts des wachsenden Bewusstseins in der Gesellschaft. „Die Untersuchungen zum Insektensterben haben bereits zu einem Umdenken geführt. Jeder kann seinen Ressourcenverbrauch überdenken und damit indirekt den Druck auf Arten und Lebensräume reduzieren."

Publikation

Hochkirch A, Bilz M, Ferreira CC, Danielczak A, Allen D, Nieto A, et al. (2023) A multi-taxon analysis of European Red Lists reveals major threats to biodiversity. PLoS ONE 18(11): e0293083.




Weitere Meldungen

Brillenblattnasen-Fledermaus; Bildquelle: Julio Hechavarria/Goethe-Universität Frankfurt

Neurobiologie: Wie Fledermäuse verschiedene Laute unterscheiden

Fledermäuse leben in einer Hörwelt. Sie nutzen ihre Stimme sowohl zur Kommunikation mit ihren Artgenossen, als auch zur Orientierung in der Umwelt
Weiterlesen

Paper of the Week: neues Erkenntnisse zu Sleep disordered breathing (SDB)

Paper of the Week: neue Erkenntnisse zu Sleep disordered breathing (SDB)

Es handelt sich dabei um eine Publikation von einem Research Team aus Finnland, welches sich mit dem sleep-disordered breathing (SDB) und dessen Diagnostik bei brachycephalen Rassen beschäftigt hat
Weiterlesen

Advisory Board on Cat Diseases (ABCD)

ABCD & Boehringer Ingelheim invite applications for the 2024 Young Scientist Award

The European Advisory Board on Cat Diseases (ABCD) invites applications for the ABCD & Boehringer Ingelheim Young Scientist Award 2024
Weiterlesen

Ein Freitaucher taucht zwischen 3 jungen Buckelwalen von der Größe eines Busses ab; Bildquelle: Karim Iliya

Bartenwale haben einen einzigartigen Kehlkopf entwickelt, um zu kommunizieren

Laborversuche und Computersimulationen erklären erstmals, wie Bartenwale ihre Stimme erzeugen.
Weiterlesen

Fischotter; Bildquelle: H. Glader/WWF

Studie zeigt: Fischotter-Tötungen sinn- und wirkungslos

Untersuchungen der Landesregierung in Oberösterreich zeigen trotz unbegrenzter Fischotter-Tötungen keine Zunahme bei Fischbeständen – WWF fordert Ende der Abschuss-Verordnungen und Renaturierungs-Offensive
Weiterlesen

Internationalen Tag der Schakale am 19. April 2024

Webinar zum Internationalen Tag der Schakale

Am Internationalen Tag der Schakale am 19. April 2024 lädt das Team vom Goldschakalprojekt Österreich zu einem Webinar
Weiterlesen

Bayerische Kurzohrmaus; Bildquelle: Alpenzoo

Bayerische Kurzohrmaus in der Natur wiederentdeckt

Seit mehreren Jahren gibt es im Alpenzoo ein Artenschutzprojekt mit dem Ziel eines der am stärksten bedrohten Säugetiere der Welt zu schützen, die Bayerische Kurzohrmaus
Weiterlesen

Schuppentier mit Jungtier auf dem Rücken ; Bildquelle: Pangolin Conservation & Research Foundation

Tiergarten Schönbrunn setzt sich für Rettung der Schuppentiere ein

Am Welt-Schuppentier-Tag am 17. Februar gibt es leider wenig Grund zur Freude. Denn Schuppentiere, auch Pangoline genannt, sind die meist geschmuggelten Säugetiere der Welt
Weiterlesen


Wissenschaft


Universitäten


Neuerscheinungen