Barock-Esel: Fast ausgestorben jetzt mit Nachwuchs

Wichtige Geburt im Natur- und Tierpark Goldau: Am Dienstag, 7. Juni, ist ein kleiner weiblicher Barock-Esel zur Welt gekommen. Von dieser Rasse gibt es weltweit nur noch ein paar Dutzend Tiere. Sie sind mit ihrem fast weissen Fell und den wasserblauen Augen nicht nur attraktiv, sondern auch kunsthistorisch bedeutsam.

Esel da denkt man gleich an zähe, anspruchslose Arbeitstiere, dem «Pferd» der armen Bevölkerungsschichten. Es gibt unter den vielen verschiedenen Eseln aber auch eine noble Rasse nämlich der «Österreichisch-Ungarische Albinoesel». Der Name ist allerdings nicht ganz korrekt. Albinos haben überhaupt keine Farbpigmente, dieser Rasse wurden jedoch nur bestimmte Farben weggezüchtet, weshalb sie jetzt ein hellgelbes Fell und blaue Augen aufweist. Man spricht bei solchen Mutationen von «Flavismus» richtigerweise müssten diese Esel also «Flavismus-Esel» genannt werden.

Helle Tiere als Lichtbringer

Viel schöner ist aber ihr zweiter Name: Barock-Esel. Diese Bezeichnung gibt ein Hinweis auf den kulturhistorischen Hintergrund der Rasse. Die schönen Tiere wurden nämlich im Zeitalter des Barock, also im 17. und 18. Jahrhundert, gezüchtet. In dieser lebenslustigen Epoche war man auf Helligkeit ganz versessen, was sich zum Beispiel auch in den Barockkirchen niedergeschlagen hat. Weisse Pferde galten im Barock als Lichtbringer und standen für das Gute schwarze Pferde symbolisierten hingegen Tod und Verderben. Während man Rappen als Zugtiere für Leichenwagen einsetzte, wurden der Kaiserkutsche der Habsburger jeweils die berühmten Lippizaner-Schimmel vorgespannt.

Schön aber empfindlich

Wer im Barock etwas auf sich hielt, besass also weisse Tiere. Zur Erbauung der besser gestellten Damen und Kinder wurden in der k.u.k-Monarchie Österreich-Ungarn sogar weisse Esel gezüchtet, eben die «Barock-Esel». Man kann sich gut vorstellen, wie zufrieden die ästhetisch anspruchsvollen Barockmenschen waren, wenn sie die kleinen Pinzessinnen und Prinzen in ihren akkurat angelegten Gärten mit weissen Eseln spielen sahen. Leider aber hatte das dem Zeitgeschmack entsprechende Aussehen der hellen Tiere einen entscheidenden Nachteil: Weil ihnen gewisse Farbstoffe fehlten, schützte ihr Fell die Barock-Esel nur ungenügend vor Sonneneinstrahlung. Zum einen waren sie dadurch so wärmeempfindlich, dass sie kaum zur Arbeit taugten, zum anderen erkrankten sie wegen der schlechten Filterung der Sonnenstrahlen häufig an Tumoren.

Praktisch verschwunden

Die Anfälligkeit der Rasse hat dazu geführt, dass sie mittlerweile praktisch verschwunden ist. Heute gibt es weltweit gerade noch ein paar Dutzend Barock-Esel in Österreich, Ungarn und eben in einer kleinen Population von 7 Tieren auch im Natur- und Tierpark Goldau. Die Anfälligkeit für Krankheiten erschwert die Zucht der Barock-Esel enorm. Zudem ist die Reproduktionsrate der Tiere gering: Nach einer Tragzeit von einem Jahr kommt jeweils nur ein Fohlen zur Welt. «Wir setzen aber alles daran, dass der Barock-Esel überlebt», sagt Felix Weber, Direktor des Natur- und Tierparks Goldau. Mit gezielter Züchtung sollte es möglich sein, die Rasse auch noch für die nächsten Generationen zu erhalten. Der soeben zur Welt gekommene kleine Esel, der noch keinen Namen hat, wird für die Zukunft der Tiere jedenfalls eine wichtige Rolle spielen.

www.tierpark.ch

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