BioRescue-Team setzt mit erfolgreicher Eizellentnahme sein Programm zur Rettung fort

(19.08.2020) Nach einer mehrmonatigen Verzögerung, die der weltweiten COVID-19-Pandemie geschuldet ist, setzte das BMBF-geförderte BioRescue-Projekt sein ehrgeiziges Programm zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns fort.

Am 18. August 2020 entnahmen sie zehn Eizellen von den letzten beiden verbliebenen Individuen, den Weibchen Najin und Fatu, in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia - der dritte Einsatz dieser Art.

Mit großartiger Unterstützung durch den Kenya Wildlife Service und dem kenianischen Ministerium für Tourismus und Wildtiere bewältigte das Team des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und des tschechischen Safariparks Dvůr Králové erhebliche Herausforderungen, um diese wichtige Prozedur in solch kritischen Zeiten durchzuführen.

Die nächsten Schritte des Programms - die Erzeugung und der Transfer von Embryonen - sind in Vorbereitung. Sie stellen sicher, dass alles getan wird, um so schnell wie möglich entscheidende Fortschritte zu erzielen, die das Nördliche Breitmaulnashorn vor dem Aussterben bewahren.


Leibniz-IZW-Wissenschaftler*innen Dr. Susanne Holtze, Prof. Thomas Hildebrandt und Prof. Robert Hermes bei der Eizellentnahme

„Die Fortschritte, die bisher im Rahmen des Projekts zur assistierten Reproduktion des nördlichen Breitmaulnashorns erzielt wurden, sind sehr ermutigend, und wir freuen uns auf den Transfer der bereits erzeugten Embryonen in südliche Breitmaulnashorn-Leihmütter hier in der Ol Pejeta Conservancy.

Dieses Projekt sollte die Aufmerksamkeit der Welt auf die Notlage der gefährdeten Arten lenken und uns dazu bringen, Aktionen zu vermeiden, die die Strafverfolgung untergraben und die Nachfrage nach dem Nashorn-Horn ankurbeln", sagt Hon. Najib Balala, Kenias Minister für Tourismus und Wildtiere.

Die deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, sagt: „Biologische Vielfalt ist unsere Lebensgrundlage, aber sie ist zunehmend durch Lebensraumzerstörung, Umweltverschmutzung und Klimawandel bedroht. Das nördliche Breitmaulnashorn ist dabei zu einem Symbol für unsere gemeinsamen Anstrengungen im Kampf gegen den Verlust der biologischen Vielfalt geworden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt diese Arbeit zum Erhalt der Nashörner durch die Förderung des BioRescue-Projekts, das Teil unserer Initiative zur Forschung für biologischen Vielfalt ist.

Wir sind äußerst dankbar für die Unterstützung, die wir von der kenianischen Regierung als Partner bei unseren Bemühungen um die Rettung des nördlichen Breitmaulnashorns erhalten. Dank des enormen Engagements aller Beteiligten haben wir nun die Chance, diese Tiere vor der drohenden Ausrottung zu bewahren.“

Zwölf Monate nach der erstmals durchgeführten Eizellentnahme bei Nördlichen Breitmaulnashörnern im August 2019 und acht Monate nach der zweiten wiederholte das Team die Prozedur mit Najin und Fatu am 18. August 2020 in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia. Unter der Leitung des Leibniz-IZW wurden die Tiere narkotisiert und zehn unreife Eizellen (Oozyten) - zwei von Najin und acht von Fatu - mit einem selbst entwickelten medizinischen Spezialgerät entnommen.

Die Betäubung der Tiere und die von Ultraschallbildern geleitete Eizellenentnahme verliefen ohne Komplikationen. Die Eizellen wurden umgehend in das Labor von Avantea in Italien transportiert. In den kommenden Tagen reifen sie dort und werden danach mit Sperma von bereits verstorbenen Bullen des Nördlichen Breitmaulnashorns befruchtet.

Wenn dieser Vorgang erfolgreich ist, erhöht sich die Zahl der im Labor hergestellten Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns und die Chancen auf einen Erhalt der charismatischen Dickhäuter steigen weiter. Bislang wurden drei Embryonen erzeugt, die im flüssigen Stickstoff eingelagert sind.

Der jetzige Einsatz fand mehrere Monate später statt als im ursprünglichen Zeitplan von BioRescue, dem internationalen BMBF-finanzierten Konsortium unter der Leitung des Leibniz-IZW, vorgesehen. Die COVID-19-Pandemie hat das Projekt und seine Partner erheblich behindert: Reisebeschränkungen und Kontaktverbote verzögerten die Fortsetzung der Arbeiten in europäischen Zoos und in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia.

Partnerorganisationen wie Safari Park Dvůr Králové und Ol Pejeta Conservancy standen - und stehen weiterhin - vor existenzbedrohenden Herausforderungen, da sie weitgehend vom Tourismus abhängig sind. In mehrerlei Hinsicht stellt die COVID-19-Pandemie eine neue Bedrohung für Artenschutzprojekte in aller Welt dar.

Es ist der Wille aller Partner des BioRescue-Projekts zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns, ihre Mission trotz der Widrigkeiten fortzusetzen. Da die Nachkommen der Nördlichen Breitmaulnashörner, die hoffentlich aus dem Projekt hervorgehen werden, in der Gesellschaft von Najin und Fatu aufwachsen sollen und Najin sich rasch dem Seniorenalter nähert, ist das Vorhaben auch ein Wettlauf gegen die Zeit; jede Verzögerung trägt also nicht unbedingt zu dem gewünschten Erfolg von BioRescue bei.

Zeitgleich mit der Erzeugung von Embryonen im Avantea-Labor in Italien laufen die Vorbereitungen für die nächsten Schritte der Mission. Geplant ist die Auswahl einer Gruppe von Südlichen Breitmaulnashörnern in der Ol Pejeta Conservancy, aus der ein Weibchen als Leihmutter für Embryos des Nördlichen Breitmaulnashorns dienen könnte.

 Außerdem einigten sich die Partner auf die Sterilisation eines Bullen des Südlichen Breitmaulnashorns in dem Reservat. Dieser Bulle, der bereits mehrere Nachkommen gezeugt hat, ist von entscheidender Bedeutung, um die Fruchtbarkeit bei den Nashornkühen anzuzeigen und ein ideales hormonelles Umfeld für eine Leihmutterschaft nach einem Embryotransfer zu erzeugen.

Um die bestmöglichen Ergebnisse für die Arbeit mit den Nördlichen Breitmaulnashorn-Embryos zu erzielen, stützt sich das BioRescue-Team auf seine bisherigen Erfahrungen im Embryotransfer bei Südlichen Breitmaulnashörnern in Europäischen Zoos. Diese werden vom BioRescue-Team durchgeführt, um Reproduktionsprobleme von Südlichen Breitmaulnashörnern in europäischen Zoos zu beheben.


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