Zoo Leipzig unterstützt das Sabah-Nashorn-Projekt

(02.07.2011) Ein Tiergarten ist heute mehr als lehrreiche Erbauung für Jung und Alt: Weltweit unterstützen zoologische Gärten den Artenschutz, helfen bedrohte Tierarten durch Schutz- und Zuchtprogramme zu erhalten und überlebensfähige Populationen aufzubauen.

So auch der Zoo Leipzig, der mit der Eröffnung der Tropenerlebniswelt Gondwanaland (1. Juli 2011) ein neues Projekt in Angriff nimmt: den Schutz des stark bedrohten Sabah-Nashornes auf Borneo.

„Im Zoo Leipzig leben mehr als 50 teilweise hoch bedrohte Tierarten, die durch europaweit koordinierte Zuchtprogramme betreut werden“, berichtet Zoodirektor Dr. Jörg Junhold. „Darüber hinaus beteiligt sich der Zoo Leipzig an verschiedenen Projekten zur Erhaltung und zum Ausbau der Populationen in der Heimat der Arten“. Ganz konkret gehört zum Leipziger Masterplan für den Zoo der Zukunft, dass jeder der sechs Themenbereiche des Zoo Leipzig ein passendes Projekt im Ursprungsland gefährdeter Tierarten unterstützt.

Für Gondwanaland wurde deshalb bereits in der Planungsphase ein geeignetes Projekt gesucht – und im Schutz des Sabah-Nashornes auf der Insel Borneo gefunden. Es leben nur noch rund 30 bis 50 Exemplare der kleinsten Nashorn-Art der Welt. Sie gehören zu einer eigenen Unterart des Sumatra-Nashorns (Dicerorhinus sumatrensis harrissoni) und sind verteilt auf zwei Schutzgebiete. Eines dieser Gebiete ist das Tabin Wildlife Reservat in Malaysia, das nun vom Zoo Leipzig unterstützt wird.

„Dabei arbeiten wir eng mit dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin zusammen, das uns auch auf das Projekt aufmerksam gemacht hat“, verrät Dr. Junhold. Das IZW ist spezialisiert auf die Erforschung von Wildtierpopulationen von herausragendem ökologischen Interesse im Spannungsfeld Tier – Mensch und führt sowohl freilandökologische Untersuchungen als auch reproduktionsmedizinische Arbeiten am Sabah-Nashorn durch.

Gemeinsam unterstützen das IZW und der Zoo Leipzig die staatliche Wildtierbehörde in Sabah und eine lokale Nashornschutzorganisation (BORA), die zusammen im Tabin Wildlife Reservat eine Auffangstation für bedrohten Nashörner betreiben. Ziel ist es, isoliert lebende Tiere der Zuchtstation zuzuführen und deren Fortpflanzung mit modernen Methoden der Reproduktionsmedizin zu unterstützen.

„Der Zoo Leipzig und das IZW helfen mit Know How, konkreter Expertenunterstützung und mit finanziellen Mitteln“, sagt Junhold. Die wissenschaftliche Arbeit vor Ort wird auch durch die finanzielle Unterstützung des Bundesministerium für Bildung und Forschung ermöglicht. Aktuell schult der Zoo Leipzig die Mitarbeiter der staatlichen Wildtierbehörde in der Pflege der empfindlichen Tiere vor Ort und in Leipzig.

Für den Erhalt der Nashörner ist es zwingend notwendig, die Anzahl der noch existierenden Männchen und Weibchen zu kennen. Hierzu führt das IZW eine großangelegte Kamerafallenstudie in den beiden Schutzgebieten des Sabah-Nashorns durch.

Dr. Junhold ist sich bewusst, dass auch der Lebensraum der Tierart erhalten werden muss, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Daher unterstützt der Zoo Leipzig den Rhino und Forest Fund e.V., eine deutsche Naturschutzorganisation, die die Wiederaufforstung geschädigter Randbereiche des Lebensraumes der Nashörner vorantreibt. Die Aufforstung der ersten 10 Hektar ist im April 2011 erfolgreich abgeschlossen worden.

„Das Projekt auf Borneo passt perfekt zu Gondwanaland“, betont Dr. Junhold. „Die Tropenhalle beherbergt nicht nur zahlreiche Tierarten der Insel. Vielmehr ist Borneo mit seinem stark bedrohten Regenwald und seiner Artenvielfalt selbst eines der letzten real existierenden „Gondwanaländer“ der Erde. Das müssen wir unbedingt schützen.“

Besucher des Zoos werden über das Sabah-Nashorn-Projekt in Gondwanaland in einer eigens eingerichteten Informationshütte informiert.



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